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Mindful Traveller

Vestige Son Vell – Wo hört Son Vell auf und wo beginnt Menorca?

180 Hektar Land. Ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. 1.537 neu gepflanzte Bäume. Ein Gemüsegarten, aus dem später ein Teil des Abendessens kommt. Ein Weg, der bis hinunter zum Meer führt. Und gleich daneben ein historischer Pfad, der einmal rund um Menorca verläuft. Wo fangen wir an?

Am besten einfach irgendwo. Denn im Vestige Son Vell führt erstaunlich oft eine Entdeckung zur nächsten. Wir gehen los, weil wir zum Meer wollen, bleiben unterwegs im Garten hängen, landen plötzlich auf einem jahrhundertealten Weg und kommen später in ein Haus zurück, in dem selbst der Boden eine Geschichte erzählt. Eigentlich wollten wir uns doch nur ein bisschen umsehen.

Einfach losgehen

Son Vell endet nicht am Pool oder beim letzten Liegestuhl. Das rund 180 Hektar große Anwesen erstreckt sich bis hinunter zur Küste und war lange bevor hier Gäste eincheckten zugleich herrschaftlicher Landsitz und bewirtschaftetes Landgut. Seine Geschichte ist bis heute zwischen Olivenbäumen, Zitrusfrüchten, mediterranen Gärten und dem eigenen Bio-Gemüsegarten sichtbar. Bei der Restaurierung wurde außerdem nicht nur das Herrenhaus wiederbelebt: 1.537 Bäume wurden gepflanzt, um die Regeneration der Landschaft und die Biodiversität zu fördern.

Wir gehen weiter, bis zur Cala Son Vell. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad führt der Weg durch das Anwesen dorthin, und irgendwo unterwegs wird aus „Wir schauen nur kurz“ plötzlich „Und was ist eigentlich dort hinten?“

Die Antwort: der Camí de Cavalls. Der historische „Weg der Pferde“ führt einmal rund um Menorca. Über Jahrhunderte diente er unter anderem dazu, die Küste der Insel zu erreichen und zu überwachen. Heute lässt er sich zu Fuß, mit dem Fahrrad und auf bestimmten Abschnitten auch zu Pferd erkunden. Wir wollten eigentlich nur zum Meer. Jetzt stehen wir auf einem Weg, auf dem wir theoretisch einfach weitergehen könnten. Einmal rund um die Insel.

Beim zweiten Blick sieht man mehr

Nach so viel Landschaft könnte man beinahe vergessen, dass hinter uns eines der interessantesten Gebäude des Anwesens steht.

Die Geschichte Son Vells reicht weit zurück. 1762 kaufte der menorquinische Adelige Josep Vigo Squella das Anwesen, später entwickelte sich aus dem ursprünglichen Landhaus jene repräsentative Villa, die wir heute sehen. An der Fassade finden sich noch immer steinerne Adler und die Jahreszahl 1829. Und wenn wir schon einmal genauer hinschauen, machen wir gleich weiter. Bei der Restaurierung kamen unter später hinzugefügten Schichten alte Mauern aus lokalem Marès-Stein zum Vorschein. Historische Holzbalken und Türen wurden erhalten, ebenso wie mehr als zweihundert Jahre alte Terrakottaböden.

Plötzlich sehen wir denselben Raum ein wenig anders als beim ersten Betreten. Nicht, weil sich etwas verändert hätte. Sondern weil wir jetzt wissen, worauf wir schauen.

Vom Garten auf den Teller

Und dann begegnet uns etwas wieder, an dem wir vor ein paar Stunden schon vorbeigelaufen sind.

Was im Bio-Gemüsegarten des Anwesens wächst, findet seinen Weg in die Küche von Son Vell. Küchenchef Joan Bagur verbindet die Ernte des eigenen Gartens mit Produkten von Menorcas Land und Küste.

Im Restaurant Vermell – vermell bedeutet auf Menorquinisch „rot“ –begegnen uns einige der Zutaten aus dem Garten später auf dem Teller wieder.

Und weil wir heute ohnehin schon einiges über Menorca gelernt haben, nehmen wir an der Bar gleich noch eine Lektion dazu. Diesmal in flüssiger Form. Die Pomada gehört zu den Klassikern der Insel: menorquinischer Gin trifft auf Limonade. Dagegen haben wir wenig einzuwenden.

Noch einmal nach oben schauen

Eigentlich könnte der Tag jetzt vorbei sein. Aber Son Vell hat noch eine Richtung übrig, in die wir bisher kaum geschaut haben: nach oben. Stargazing gehört hier ebenso zu den Erlebnissen wie Reiten, Yoga, Bootsfahrten oder Ausflüge nach Ciutadella. Und so endet ein Tag, der mit der Frage begonnen hat, wo wir überhaupt anfangen sollen, unter dem menorquinischen Nachthimmel. Wir sind durch ein ehemaliges Landgut gelaufen, bis ans Meer gekommen, ein Stück auf einem Weg gegangen, der Menorca umrundet, haben plötzlich auf zweihundert Jahre alte Böden geachtet und später gegessen, was wenige Stunden zuvor noch im Garten gewachsen ist.

Wo hört Son Vell auf und wo beginnt Menorca? Nach einem Tag hier wissen wir es immer noch nicht.

Dafür wissen wir ziemlich genau, warum wir morgen noch ein Stück weitergehen wollen.

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Ciudela, Menorca, Spanien
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