Esh Hotel & Spa – Warum beginnt diese Reise mit Feuer?
Wir kommen in Nosara an, bekommen ein kühles Handtuch, eine Charcoal Lemonade und ein kleines Stück Papier. Auf Letzteres schreiben wir etwas, das wir uns von dieser Reise wünschen. Dann gehen wir damit zur Feuerstelle in der Lobby – und verbrennen es. Nein, so checken wir normalerweise auch nicht ein. Im Esh Hotel & Spa wird allerdings ziemlich schnell klar, dass es sich lohnt, die Dinge hier ein wenig anders zu betrachten.

Nach sechs Jahren zurück nach Hause
Jaime Bravo wuchs in Costa Rica auf, bevor ihn die Hotelwelt weit weg von zu Hause führte. Er arbeitete unter anderem im Ritz-Carlton in Hongkong und später in Boutiquehotels in Tulum. Sechs Jahre verbrachte er im Ausland, bevor er beschloss, nach Costa Rica zurückzukehren. Nicht, um dort einfach ein weiteres Hotel zu eröffnen. Er wollte sein erstes eigenes schaffen. Gemeinsam mit seiner Frau Miri aus Mexiko-Stadt begann er an dem zu arbeiten, was später das Esh werden sollte. Zusammen mit dem costa-ricanischen Architekturbüro FAMM Arquitectura und Sulkin Askenazi aus Mexiko-Stadt entstand die Idee für einen Ort, an dem Architektur den Menschen nicht von dem trennt, was draußen passiert.
„Esh“ bedeutet auf Hebräisch Feuer. Hier steht es für Veränderung – und langsam verstehen wir auch, warum unsere Reise mit einem brennenden Stück Papier begonnen hat. Allerdings gab es ein kleines Problem. Das Grundstück hatte keinen großen Panoramablick. Für ein Hotel in Costa Rica, bei dem man fast automatisch endlose Ausblicke auf den Pazifik vor Augen hat, klingt das zunächst nicht unbedingt nach einem Vorteil. Im Esh wurde genau daraus einer.

Wenn die Aussicht fehlt, entsteht eine eigene Welt
Anstatt den Blick irgendwie nach außen zu lenken, richteten die Architekten das Hotel nach innen aus. Die bestehenden Bäume blieben. Der natürliche Bach ebenfalls. Gebäude, Innenhöfe, Wasserflächen und schattige Durchgänge entstanden um sie herum.
Wer sich heute von einem Bereich zum nächsten bewegt, läuft deshalb nicht einfach durch einen Hotelflur. Mal steht ein Baum im Weg, mal taucht Wasser auf, dann wieder Dschungel, Licht oder Schatten. Neben rohem Beton wachsen Pflanzen, und zwischen den klaren Linien befindet sich etwas, das sich nie vollständig planen ließ: die Natur. Vielleicht funktionieren deshalb auch zwei Welten so gut nebeneinander, die zunächst ziemlich unterschiedlich erscheinen: die rohe Architektur des Brutalismus und die japanische Idee des Wabi-Sabi, die Spuren der Zeit, Unvollkommenheit und Natürlichkeit nicht unbedingt verschwinden lassen möchte. Esh bekam am Ende nicht den einen großen Ausblick. Dafür bekam es unzählige kleine.


In Nosara bleiben wir nicht lange still
Irgendwann verlassen wir natürlich auch das Hotel. Nosara liegt auf der Nicoya-Halbinsel und gehört zu den bekanntesten Surfregionen Costa Ricas. Der lange Strand von Playa Guiones und die ganzjährig ankommenden Wellen ziehen Anfänger ebenso an wie erfahrene Surfer. Es gibt allerdings noch einen anderen Grund, warum der Name der Nicoya-Halbinsel immer wieder auftaucht.
Die Region wird zu den sogenannten Blue Zones der Welt gezählt – Gebieten, in denen auffallend viele Menschen ein hohes Alter erreichen. Die Erklärung dafür sucht man nicht in einer einzigen geheimen Zutat, sondern vielmehr in der Art zu leben: natürliche Bewegung, starke familiäre und soziale Beziehungen, eine einfache Ernährung und der sogenannte plan de vida – der Grund, morgens aufzustehen. An Bewegung jedenfalls mangelt es in Nosara nicht. Wir können surfen, reiten, Kajak fahren, aufs Mountainbike steigen oder Yoga machen. Und auf dem Programm des Esh steht sogar Brazilian Jiu-Jitsu. Offenbar gibt es mehr als eine Interpretation davon, wie Erholung in Costa Rica aussehen kann.


Was wir verbrennen – und was wir pflanzen
Und vielleicht ist es gerade deshalb schön, dass die Geschichte des Esh nicht bei dem kleinen Stück Papier in der Lobby endet. Das Hotel arbeitet mit Costas Verdes zusammen, einer Organisation, die sich für die Wiederaufforstung der Küstenregionen Costa Ricas einsetzt. Auch Gäste können daran teilnehmen: Im Rahmen eines privaten Tree-Planting-Erlebnisses können sie selbst einen Baum pflanzen. Ein ziemlich schöner Rahmen für eine Reise. Bei unserer Ankunft schreiben wir etwas auf ein Stück Papier und werfen es ins Feuer.
Dazwischen stellen wir fest, dass ein Hotel keinen Blick auf den Pazifik braucht, damit es etwas zu sehen gibt. Wir lernen einen neuen Begriff über das Leben kennen. Vielleicht stehen wir auf einem Surfbrett. Vielleicht fallen wir fünf Sekunden später wieder herunter. Und wenn wir besonders abenteuerlustig sind, bringt uns beim Brazilian Jiu-Jitsu sogar noch jemand zu Boden. Und bevor wir wieder nach Hause fahren, pflanzen wir etwas.
Das eine wird zu Asche. Aus dem anderen wird, wenn alles gut geht, irgendwann ein Baum.

