Quinta Filippa: Ein Haus, eine Familie, 40 Hektar Portugal
Nahe Leiria ist aus einem familiären Rückzugsort ein kleines Hotel geworden. Die Quinta Filippa verbindet portugiesische Landgeschichte mit zeitgemäßer Architektur, regionaler Küche und einem Wellnesskonzept, das Natur und Bewegung in den Mittelpunkt stellt.

Von der Familienidee zum 40-Hektar-Anwesen
Die Quinta Filippa war als Ferienhaus für die Familie gedacht. Dass daraus ein Hotel werden würde, ergab sich erst mit der Zeit. Mike Schwalbach, dessen Mutter aus dem kleinen Dorf nahe Leiria stammt, kaufte 2017 das erste Grundstück. Nach und nach kamen weitere hinzu, bis aus mehr als 90 Parzellen ein zusammenhängendes Anwesen von rund 40 Hektar geworden war. Heute verteilen sich restaurierte Gebäude, Wald, Felder und Gärten über das Gelände. Seit September 2026 empfängt die Quinta Gäste. Ihren Namen verdankt sie Filippa, der ältesten Tochter von Mike.
Portugiesische Traditionen auf dem Teller
Ein Stück Dorfgeschichte ist bis heute lebendig: der gemeinschaftliche Brotbackofen, zu dem die Bewohner früher sonntags kamen, um Brot für die Woche zu backen, bevor sie weiter zur Kirche gingen. Heute nutzt ihn Head Chef Paolo de Vries für das tägliche Brot. De Vries ist ein Koch auf Zwei-Sterne-Michelin-Niveau, dessen Küche hohe kulinarische Ansprüche mit einem zugänglichen Konzept verbindet. Auch die Küche orientiert sich an portugiesischen Traditionen, saisonalen Zutaten und lokalen Produzenten. Obst und Gemüse kommen, soweit möglich, vom eigenen Land oder aus der Umgebung. Kochkurse, Olivenölverkostungen und Weinproben machen die kulinarischen Traditionen der Region erlebbar. Ein zweites Restaurant ist bereits in Planung.

Architektur zwischen Geschichte und Gegenwart
Die Architektur folgt demselben Gedanken der Weiterentwicklung. Alte Gebäude wurden restauriert, Stein wiederverwendet und aus früheren Telefonmasten Deckenbalken gefertigt, deren ursprüngliche Markierungen noch sichtbar sind. Gemeinsam mit der Designerin Nanouk Souren van Ramshorst vom Circle Studio gestalteten die Gastgeber die Innenräume mit natürlichen Materialien, handgefertigter Keramik und ausgewählten Vintage-Möbeln. Große Fenster öffnen den Blick auf Wald, Gärten und Teiche. Die 16 Zimmer und Suiten sind zurückhaltend eingerichtet und kommen ohne Fernseher aus. Statt möglichst vieler Ablenkungen steht die Verbindung zur Umgebung im Vordergrund.


Wellness, Bewegung und Natur
Auf dem weitläufigen Gelände liegen ein 25 Meter langer, beheizter Salzwasserpool, zwei Saunen mit Rotlicht sowie ein Dampfbad. Massagen lassen sich direkt im Zimmer organisieren. Ein Eisbad ist für den kommenden Sommer geplant. Yoga, Atemübungen und geführte Wanderungen ergänzen das Angebot; Reformer-Pilates soll ab dem neuen Jahr verfügbar sein. Wer lieber auf eigene Faust unterwegs ist, erkundet die Wege durch Wald und Felder oder pflückt Früchte direkt von den Bäumen.

Ein Ort für Handwerk und regionale Kultur
Auch die Begegnung mit der Region ist Teil des Konzepts. Im Weinkeller stehen portugiesische Produzenten im Mittelpunkt, saisonale Zusammenkünfte wie das Rösten von Kastanien greifen lokale Traditionen auf. Ein Artist-in-Residence-Programm bringt Künstler aus Portugal und anderen Ländern auf das Anwesen, wo sie mit Materialien aus der Umgebung arbeiten und neue Werke entwickeln. So wächst die Quinta mit der Zeit weiter – nicht nur als Hotel, sondern auch als Ort, an dem Handwerk, Gestaltung und regionale Kultur zusammenkommen.
Individuelle Aufenthalte und gemeinsame Erlebnisse
Mike Schwalbach und seine Frau Nikki Mol bleiben eng in den Betrieb eingebunden. Vor der Anreise werden die Gäste nach ihren Interessen und Gewohnheiten gefragt, damit sich ein individuelles Programm aus Bewegung, Erholung, Essen und Zeit im Freien zusammenstellen lässt.
Neben Einzelaufenthalten sind Retreats und die exklusive Buchung des gesamten Anwesens möglich. Während das Hotel regulär Gästen ab 16 Jahren vorbehalten ist, eignet sich die Quinta bei exklusiver Buchung auch für Familien mit Kindern. Im Pool gibt es einen rund 30 Zentimeter flachen Bereich für die jüngsten Gäste. Die Quinta ermöglicht ganz unterschiedliche, individuell abgestimmte Aufenthalte – von Yoga, Meditation und Massagen über aktive Entdeckungstouren bis hin zu erholsamen Tagen in der Ruhe und Schönheit des Anwesens. Am treffendsten erzählt der alte Brotbackofen von der Idee hinter der Quinta Filippa. Einst diente er der Versorgung des Dorfes, heute ist er Teil eines Hotels, das seine Gäste mit den Traditionen der Region vertraut machen möchte.
Aus einer Familiengeschichte ist ein Hotel geworden, aus verstreuten Grundstücken ein zusammenhängendes Stück Land. Und aus einem Ofen, der einst das Dorf versorgte, kommt wieder täglich Brot.

Fotos: Fransisco Nogueria, Valentine Dreyfus
