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Mindful Traveller

Paragon 700 Boutique Hotel & Spa – Wenn Ostuni den Rhythmus vorgibt

Ein Tag in der Weißen Stadt, an dem am Ende oft gerade das am schönsten wird, was morgens noch gar nicht geplant war.

Der Tag beginnt im Garten des Paragon 700. Frühstück unter Orangenbäumen, der erste Kaffee, während sich um uns herum langsam die Tische füllen. Jemand bespricht bereits die Pläne für den Tag, am Nebentisch wird noch ein Cappuccino bestellt. Nach ein paar Morgen fällt auf, dass uns manche Gesichter inzwischen vertraut vorkommen: Gestern saßen sie schon hier, am Abend sind wir ihnen vielleicht an der Bar begegnet, und heute beginnen wir wieder gemeinsam den Tag, während auch wir überlegen, was wir von Ostuni sehen möchten.

Dann öffnet sich die Tür des Palazzo Rosso, und nur wenige Schritte später weichen die roten Mauern dem fast blendenden Weiß Ostunis.

Warum ist die Weiße Stadt eigentlich weiß?

Ostuni trägt nicht zufällig den Beinamen Città Bianca. Die weißen Häuser sind heute zum Wahrzeichen der Stadt geworden, entstanden aber ursprünglich keineswegs als perfekte Kulisse für Sommerfotos. Das Kalken der Fassaden hat eine jahrhundertealte Tradition. Kalk war leicht verfügbar, die hellen Oberflächen waren unter der süditalienischen Sonne eine praktische Lösung, und wegen seiner desinfizierenden Eigenschaften spielte das Material auch in Zeiten von Epidemien eine Rolle. Heute merken wir davon zunächst vor allem, wie leicht man in Ostuni vergisst, wohin man eigentlich wollte. Treppen führen in neue Gassen, hinter Bögen verstecken sich kleine Plätze, und fast immer wirkt die nächste Straße interessanter als die, auf der wir gerade unterwegs sind. Irgendwo bleiben wir noch auf einen Kaffee – schließlich sind wir in Italien – und gehen danach weiter. Je höher wir kommen, desto öfter taucht zwischen den Häusern die Adria auf, während sich unterhalb der Stadt Olivenhaine bis zum Horizont ziehen. Von unserem morgendlichen Plan sind inzwischen wahrscheinlich ein paar Punkte verschwunden. Dafür haben wir Dinge entdeckt, die überhaupt nicht darauf standen.

Draußen Ostuni, drinnen Paragon

Gegen Mittag fühlen sich dieselben weißen Gassen plötzlich ganz anders an. Schatten wird wertvoller, der Gedanke an ein Mittagessen immer verlockender, und auch der Pool des Paragon erscheint uns mit jeder Minute attraktiver. Wir machen uns auf den Rückweg – und genau dann versteht man besonders gut, wie außergewöhnlich die Lage des Paragon 700 ist. Hinter uns schließt sich die Tür des Palazzo Rosso, draußen bleiben die heißen Straßen Ostunis, und drinnen wartet der größte private Garten im historischen Zentrum mit Orangenbäumen, Schatten und Pool.

Wir müssen uns nicht zwischen Stadt und Hotel entscheiden. Am Vormittag entdecken wir Ostuni, am Nachmittag schwimmen wir, bestellen etwas Kaltes zu trinken und nehmen das Buch zur Hand, in dem wir wahrscheinlich auch heute nicht besonders viel weiterkommen. Vielleicht entdecken wir am anderen Ende des Pools sogar eines der Gesichter wieder, die uns bereits beim Frühstück vertraut vorkamen. Der Tag sieht inzwischen ganz anders aus, als wir ihn morgens geplant hatten – und genau das fühlt sich ziemlich gut an.

Sieben Meter unter den Straßen, durch die wir am Morgen gegangen sind

Einer der außergewöhnlichsten Bereiche des Paragon 700 bleibt von der Straße aus völlig verborgen. Rund sieben Meter unter Ostuni befindet sich im ehemaligen Wasserspeicher des Palazzo das Spa des Hotels. Nur wenige Stunden zuvor sind wir noch zwischen den weißen Häusern unterwegs gewesen, jetzt umgeben uns unter derselben Stadt Stein und Wasser. Innerhalb eines einzigen Tages wechseln wir mehrmals die Umgebung, obwohl wir uns dabei kaum ein paar hundert Meter bewegen. Sobald draußen die Schatten länger werden, zieht es uns wieder in die Stadt.

Ostuni am Abend

Wir gehen durch dieselben Straßen, in denen wir wenige Stunden zuvor noch ständig auf die Karte geschaut haben. Am Abend erkennen wir bereits die eine oder andere Ecke wieder. Wir wissen, wo der kleine Ort liegt, an dem wir am Vormittag Halt gemacht haben, und kehren in eine Gasse zurück, an der wir zuvor einfach vorbeigegangen sind. Inzwischen füllen sich die Tische, die Aperitivi kommen, Türen stehen offen und immer mehr Gespräche ziehen durch die Straßen. Am Morgen war noch alles neu, am Abend gibt es bereits Orte, mit denen wir eine kleine Erinnerung verbinden.

Genau deshalb fühlt es sich so anders an, ein paar Tage in einer Stadt zu verbringen, statt sie nur für einige Stunden zu besuchen. Wir erleben Ostuni am Morgen, wenn der Tag gerade beginnt, in der Mittagshitze und später noch einmal, wenn sich die Straßen am Abend wieder füllen. Das Paragon liegt dabei nur wenige Schritte entfernt, sodass wir jederzeit zurückkehren und später wieder losziehen können. Nach einer Weile wissen wir selbst ziemlich genau, zu welcher Tageszeit wir gerade wo sein möchten.

Und warum eigentlich Paragon 700?

Als wir am Abend wieder vor dem roten Palazzo stehen, taucht eine Frage auf, die wir uns eigentlich schon bei der Ankunft hätten stellen können: Was bedeutet der Name Paragon 700 überhaupt?

Die Geschichte dahinter führt zur besonderen Fassade des Palazzo. Ihre Steine erinnerten die Eigentümer an einen geschliffenen Diamanten. Daraus entstand die Verbindung zum Paragon, dem Namen eines berühmten Diamanten. Die Zahl 700 verweist auf die Lage des Gebäudes zwischen Ostunis 700er- und 800er-Viertel. Und wenn wir nun schon seinen Namen kennen, lohnt es sich auch zu wissen, was diese Mauern lange vor dem Hotel erlebt haben. Der Palazzo war einst das Zuhause von Don Paolo Tanzarella, der sich für die italienische Einigung engagierte. Hier fanden geheime Treffen statt, bevor Ostuni 1860 als erste Stadt Apuliens die italienische Einheit proklamierte. Tanzarella wurde wenig später der erste Bürgermeister der Stadt. Heute frühstücken wir in denselben Mauern, bestellen Cocktails, essen im Garten zu Abend und überlegen, wohin wir morgen gehen möchten. Gar kein schlechter nächster Abschnitt in der Geschichte eines jahrhundertealten Palazzo.

Was am Morgen noch nicht auf dem Plan stand

Beim Frühstück lässt sich leicht festlegen, was wir an diesem Tag unbedingt sehen möchten. Ein paar Stunden später laufen wir jedoch durch eine Straße, deren Namen wir nicht einmal kennen, setzen uns noch einmal auf einen Kaffee dorthin, wo uns am Vormittag ein Tisch gefallen hat, oder bleiben einfach länger am Pool, weil wir gerade genau darauf Lust haben. Am Ende des Tages erinnern wir uns deshalb nicht unbedingt am liebsten an die Orte, die morgens auf unserer Karte markiert waren. Da ist die Adria, die plötzlich zwischen zwei Häusern auftauchte, eine Gasse, in die wir einfach aus Neugier eingebogen sind, oder das abendliche Ostuni, in dem wir einige Stunden später schon ganz selbstverständlich um dieselbe Ecke gehen wie zuvor.

Genau deshalb ist es so schön, hier mehrere Tage zu verbringen: Wir können mit Plänen ankommen und trotzdem genug Platz für all das lassen, von dem wir vor der Reise noch nicht einmal wussten, dass wir es sehen möchten.

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