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Design & Architektur

Hôtel des Horlogers: Es ist noch Zeit

Im Vallée de Joux dreht sich vieles um Zeit. In den Werkstätten der großen Uhrenmanufakturen wird sie in winzige Zahnräder übersetzt, in Federn und Räderwerke, in Präzision, die sich auch noch nach Jahren und Jahrzehnten beweist. Im Hôtel des Horlogers scheinen die Uhren ihren eigenen Rhythmus zu haben.

Architektur im Rhythmus der Landschaft

Draußen, im Waadtländer Jura, gelten andere Maßeinheiten. Der Wald beginnt gleich hinter dem Haus, der Lac de Joux liegt zwischen den Hügeln, und mit etwas Glück ist der See im Winter so weit zugefroren, dass man über ihn gleiten kann. Das Hôtel des Horlogers in Le Brassus steht mitten in dieser Landschaft und ganz in ihrer Tradition. Das frühere Hôtel de France war lange ein Treffpunkt für Reisende, Uhrmacher und Menschen aus der Region. Heute ist daraus ein Haus mit 50 Zimmern und Suiten geworden, dessen Architektur von BIG, dem Büro des dänischen Architekten Bjarke Ingels, stammt. Der Bau zieht sich in mehreren Knicken durch das Gelände, als würde er der Landschaft ausweichen, statt sich über sie zu erheben. Wege und Rampen führen über das Gebäude hinweg und wieder hinaus ins Freie. Man ist schnell draußen, ohne das Gefühl zu haben, das Hotel verlassen zu müssen.

Das Vallée de Joux vor der Tür

Auch im Inneren bleibt die Umgebung präsent. Die Materialien und Formen greifen Motive aus der Region auf: den Risoud-Wald, versteinerte Ammoniten, Myzel, Trockensteinmauern und die Seen des Jura. Die Zimmer sind ruhig gestaltet, mit großen Fenstern und Blick ins Grüne. Es gibt Räume für sich, aber wenig Anlass, sich den ganzen Tag darin aufzuhalten. Das Vallée de Joux liegt vor der Tür, und das Tal lässt einem die Wahl, wie man es erkundet: zu Fuß, mit dem Rad oder im Winter auf Langlaufskiern. 220 Kilometer Loipen durchziehen die Region; wenn die Temperaturen stimmen, wird der Lac de Joux zu einer der größten natürlichen Eisflächen Europas.

Wo Präzision Tradition hat

Der Name des Hotels erzählt von seiner Herkunft. Im Vallée de Joux hat die Uhrmacherei eine lange Geschichte, Manufakturen wie Jaeger-LeCoultre und Audemars Piguet prägen bis heute den Ort. Wer wissen möchte, was hier unter Präzision verstanden wird, kann die Werkstätten und Museen besuchen. Wer lieber bei den elementaren Dingen bleibt, geht in den Wald. Beides gehört zu dieser Gegend: die geduldige Arbeit an einem winzigen Mechanismus und der Blick auf eine Landschaft, die sich nicht beeindrucken lässt.

Regionale Küche und Zeit für sich

Im Hôtel des Horlogers ist auch die Küche eng mit der Region verbunden. In der Brasserie Le Gogant kommen saisonale Produkte aus der Umgebung auf den Tisch. Der Name bezeichnet im lokalen Dialekt eine außergewöhnlich stattliche Tanne – ein passendes Bild für ein Haus, das sich lieber in die Landschaft einfügt, als sie zu übertrumpfen. Für einen besonderen Abend gibt es die Table des Horlogers, an der Küchenchef Emmanuel Renaut, ausgezeichnet mit drei Michelin-Sternen, Menüs aus regionalen Zutaten komponiert. Gegessen wird in kleiner Runde mit höchstens acht Gästen.

Die Zeit anders erleben

Die Idee, Zeit zurückzugewinnen, zeigt sich hier weniger in großen Gesten als vielmehr im normalen Tagesablauf. Ein Spaziergang, der länger dauert als gedacht. Ein Mittagessen, bei dem niemand auf die Uhr schaut. Ein Nachmittag im Spa by Alpeor, dessen Pflegeprodukte auf Schweizer Pflanzen und wissenschaftlicher Forschung beruhen. Das Hotel verfolgt einen regenerativen Ansatz, der über Energieeffizienz und weniger Abfall hinausgehen soll: Es arbeitet mit dem Naturpark Jura vaudois zusammen, unterstützt lokale Produzenten und spendet für jede gekaufte Flasche Wasser einen Betrag an den Naturpark. „Make Time“ steht am Ende nicht für einen neuen Stundenplan mit mehr freier Zeit. Eher für die Möglichkeit, die Zeit anders zu erleben.

Im Vallée de Joux muss man dafür nicht viel tun. Man kann den Waldweg nehmen, am See stehen bleiben oder noch einen Kaffee bestellen. Die Uhr läuft weiter. Nur schaut man seltener hin.

Fotos: Gregor Hofbauer

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Le Brassus, Schweiz
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