REFUGIUM LUNZ: am Kirchplatz der Zeit
Jahrhundertealtes Gästehaus am Kirchplatz von Lunz, stilvoll umgebaut und zu neuem Leben erweckt, den Blick nach vorne gerichtet, die Historie stets schätzend.


Eine Zahl mit Geschichte
1661 ist nicht nur ein Palindrom, das sich von vorne wie von hinten gleich liest. Es ist auch das in einen alten Balken eingeritzte Jahr, mit dem die Entstehung des Refugium Lunz verbunden wird – oder zumindest das älteste überlieferte Datum, das seine Existenz belegt.
Ein Ort der Begegnung
Seine Besitzer wechselten oft, seine Nutzung kaum. Es war und ist auch heute ein Ort für Gäste. Ein Ort der Bewirtung. Ein Ort der Begegnung.

Von Handelsstation zum Rückzugsort
Die Proviantführer sorgten hier im Haus neben der Kirche dafür, dass die Händler auf dem Weg entlang der einstigen Eisenstraße mit Lebensmitteln versorgt wurden. Im Gegenzug erhielten sie Eisen für Werkzeug und Nägel. Aus dem einfachen Gastkonzept entwuchs Ende des 19. Jahrhunderts ein neuer Ansatz. Man kam nicht, um zu arbeiten oder weiterzureisen, man kam, um zu bleiben.
Stille und Wiederentdeckung
Und dann wurde es lange Zeit sehr still um das Haus am Kirchplatz von Lunz am See. Beinahe zu still.
Bis Joachim und Heinz in einer Winternacht im Jahr 2019 in dem verlassenen Haus etwas sahen.
Etwas, das im Grunde nie verschwunden war. Und sie hatten eine Idee, wie sich das, was noch übrig geblieben war, wieder zum Leben erwecken lässt.
Ein neues Kapitel
Gemeinsam mit Partnern aus ihrer eigens gegründeten Kooperative FORMDEPOT entstand so ein besonderer Ort – ein Refugium, das den Blick nach vorne richtet, ohne die Geschichte dieses einzigartigen Platzes zu vergessen.


Architektur erzählt Geschichte
Schon der Weg über die alte Brücke lässt vergangene Zeiten hier und da wieder aufleuchten. Auch der Blick auf das Haus mit seinen unterschiedlichen Schichten und Fassaden erzählt davon, wie im Laufe der Jahre stets Neues hinzukam. Als treuer Geselle wacht es so seit Jahrhunderten zwischen der malerischen Dorfkirche und der grün schimmernden Ybbs.
Ein offener Treffpunkt
Als zentraler Ort wurde das Refugium bewusst zum Kirchplatz hin geöffnet, um nicht nur Gästen, sondern auch Vorbeireisenden und Einheimischen als einladender Treffpunkt zu dienen.


Spuren der Vergangenheit
Wer hier wohl im Laufe der Jahre die Glocken gehört und den Blick über das Wasser hat schweifen lassen?
Gewiss auch jene, die im Eingangsbereich unter dem immer noch erhaltenen Gewölbe standen und auf ihre Zimmer oder ein Essen warteten. Im ehemaligen Salettl und Wintergarten ist das heutige Restaurant untergebracht. Und auch die Grundrisse der Zimmer sind jenen nachempfunden, die vorher schon da waren.
Das Herz des Hauses
Doch am stärksten wahrnehmbar ist die Historie des Hauses in der Stube, die von Joachim und Heinz behutsam restauriert wurde. Es beginnt mit dem Geruch nach vergangenen Zeiten und geht über in den Blick nach oben – auf jenen verzierten Holzbalken mit der Zahl 1661.
Fotos: Gregor Hofbauer
